Effizient heizen mit Strom?

13.08.2012 07:45 von Antonio Milelli

Strom sollte nur dann als Wärmequelle dienen, wenn dieser effizient genutzt werden kann, wie dies bei einer Elektrowärmepumpe der Fall ist.

Seit den jüngsten Energiegesetzänderungen zum Ersatz von Elektrospeicherheizungen und dem angekündigten gänzlichen Verbot von Elektroheizungen durch den Bund ist die Verunsicherung bei vielen Hauseigentümern gross. Diesem Umstand wollen die Konferenz der Kantonalen Energiefachstellen und Energie Schweiz mit einem Ratgeber Rechnung tragen.

Elektroheizungen nicht mehr zeitgemäss
Noch vor gut zwanzig Jahren wurden viele Hauseigentümer von ihren Elektrizitätswerken bestürmt, eine Elektroheizung einzubauen. Mit diesem «CO2-freien» Heizsystem könne, so waren alle überzeugt, etwas Gutes für die Umwelt getan werden. In der Zwischenzeit haben sich die Zeiten geändert. Mit dem zunehmenden Elektrizitätsbedarf ist der Strom ein zu wertvoller Energieträger geworden, um ihn einfach «zu verheizen».

Im Vergleich zu einer Öl- oder Gasheizung, die einen Wirkungsgrad von 85 bis 95 Prozent erreicht, liegt der Wirkungsrad bei der Umwandlung von Elektrizität in Wärme eigentlich hoch. Aus 100 Prozent Elektrizität entstehen bei einer Elektrowiderstandsheizung oder einer Infrarotheizung fast 100 Prozent Wärme. Gleichzeitig wird jedoch, je nach Herstellungsart, zur Erzeugung einer Kilowattstunde Strom zwischen 1,2 bis 4 Kilowattstunden Energie benötigt. Einzig die Stromerzeugung in Kehrichtverbrennungsanlagen oder Blockheizkraftwerken mit Biotreibstoffen schneidet besser ab.

Die weit effizientere Lösung zum Heizen mit Strom heisst Elektrowärmepumpe. Sie benötigt lediglich 25 bis 30 Prozent Elektrizität, um 100 Prozent Heizwärme zu erzeugen. Den Rest der Energie entzieht die Wärmepumpe der Umwelt. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen dient die Aussenluft als Quelle und bei Erdsonden-Wärmepumpen der Boden.

Erneuerung der Heizung
Elektroheizungen sind in vielen Kantonen unterdessen verboten. Auch der Ersatz von defekten Anlagen ist vielerorts nicht mehr erlaubt. Im Falle von zentralen Elektrospeicherheizungen mit einem wassergeführten Wärmeverteilsystem ist der Ersatz durch eine Wärmepumpe oder eine Holzpelletheizung in der Regel einfach zu bewerkstelligen. Bei Einzelspeicherheizungen sind die Alternativen allerdings kostspielig und aufwendig. Nebst dem Ersatz der Wärmeerzeugung muss ein neues Wärmeverteilsystem eingebaut wer werden. Insbesondere bei Gebäuden mit schlechter Wärmedämmung ist eine grosse Heizfläche oder sind etliche Radiatoren notwendig.

Auch wenn verschiedene Kantone den Einbau eines neuen Heizsystems finanziell unterstützen, kommt der Aufwand einer mittleren Innensanierung gleich. Entsprechend ist eine langfristige Planung unabdingbar. Ein etappiertes Vorgehen hilft, dass nicht alle Räume auf einmal erneuert werden müssen.

Infrarotheizung, die vermeintliche Lösung
Auch Infrarotheizungen sind Elektroheizungen und somit oft verboten. Eine Studie der Hochschule Luzern hat ergeben, dass eine Wärmepumpenheizung mit einer Wärmeverteilung mittels Radiatoren rund 50 Prozent weniger Elektrizität benötigt als eine Infrarotheizung. Bei einer Bodenheizung ist die Einsparung gar 60 Prozent und dies bei gleichbleibendem Komfort.

In einzelnen Fällen sind jedoch auch Elektroheizungen vertretbar. Dies wenn der Wärmebedarf sehr niedrig ist und örtlich oder zeitlich nur punktuell geheizt werden muss. Dies kann in einem Bastelraum oder in einer Lagerhalle in der nur ein einzelner Arbeitsplatz benutzt wird, der Fall sein.

Gesamtheitliche Lösungen anstreben
Steht der Ersatz einer Elektroheizung an, lohnt es sich, sämtliche Aspekte der Energieversorgung in die Betrachtung einzubeziehen. Nebst der Heizung benötigt auch das Aufbereiten von Warmwasser Energie. Hier können Synergien genutzt werden und beispielsweise eine Solaranlage zur Heizungsunterstützung und zur Vorwärmung des Warmwassers eingesetzt werden. Wird gleichzeitig durch bauliche Massnahmen der Heizenergiebedarf gesenkt, fällt ausserdem auch das Heizungs- und Wärmeverteilsystem kleiner aus.

Für die Planung und die Umsetzung ist es sinnvoll, die in vielen Kantonen angebotene Energieberatung zu beanspruchen. So können die zweckmässigsten Massnahmen geplant und Informationen über Förderbeiträge eingeholt werden.

Autor: Thomas Ammann, Architekt FH, HEV Schweiz
Quelle: www.hev-schweiz.ch


Lesen Sie den Ratgeber der Konferenz Kantonaler Energiefachstellen und von energieschweiz.

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